Minimalistisch einrichten

Der minimalistische Einrichtungsstil

Der allgegenwärtige Trend zur Reduzierung auf das Wesentliche hat auch bei modernen Einrichtungsstilen nachhaltige Spuren hinterlassen. Einflüsse der asiatischen Kultur haben den Grundstein für ein Wohnambiente gelegt, welches äußerst Design orientiert, aber mit dem richtigen Know-how überraschend einfach umzusetzen ist.

Reduziert und minimalistisch - eine Kunst für sich

Schon seit Ende des letzten Jahrhunderts hat der Minimalismus in vielen Bereichen des Lebens generationsübergreifend stark an Beliebtheit gewonnen. Der daraus hervorgegangene Wohnstil zeichnet sind grundlegend dadurch aus, dass er seine Wirkung durch schlichte Eleganz entfaltet. Als wesentliche Merkmale dieses von der Mode unabhängigen Klassikers gelten Ordnung, Überschaubarkeit sowie klare Strukturen. Eine sparsame Ausstattung, großzügig präsentierte Räume und kubische Elemente gehören zu den Basiselementen des puristischen Interior Designs. Generell steht der Gedanke im Vordergrund, dass jedes Detail, welches die minimalistische Einrichtung nicht aktiv unterstreicht, als störend empfunden wird und die Raumwirkung mindert. Aufgrund seines unkomplizierten und funktionalen Charakters gilt der Stil oft als eine typisch männliche Art sich einzurichten. Doch wer einfarbige Wände, ungemusterte Böden, ruhige Linien und sparsame Dekoration mag, kann so ganz unkompliziert und mit wenig Aufwand sein ganz eigenes elegantes Ambiente zum Wohlfühlen erschaffen.

Hier ist weniger einfach mehr

Gedeckte Farben, monochrome Töne, wenige Accessoires

Gedeckte Farben, monochrome Töne, wenige Accessoires

Bunt, kitschig und überladen war gestern! Dieser Stil verzichtet bei der Dekoration komplett auf verspielte und aufdringliche Details. Sich minimalistisch einzurichten bedeutet insbesondere, sich auf vergleichsweise dezente Farben zu beschränken. In der Regel herrschen Weiß, Grau und Schwarz vor oder werden sogar ausschließlich gewählt. Der besondere Reiz entsteht aus dem scheinbar zufälligen Zusammenspiel von Formen und Materialien. Gegenstände dürfen nur gezielt platziert werden, denn unnötig überfüllte Regale und Ablagen zerstören die Harmonie im Raum. Einbauschränke werden so als Schaffer potenziellen Stauraums zum nahezu unverzichtbaren Mobiliar.

Wer Dekoration punktuell einsetzt, um eine vermeintliche Strenge zu mildern, braucht nicht befürchten, dass das Ambiente auf Besucher klinisch, steril oder trist wirkt. Zu diesem Zweck besonders geeignet sind moderne Skulpturen und Leuchten, großformatige Bilder in kräftigen Farben oder Orchideen - ganz dem japanischen Einrichtungsstil entsprechend. Jedes hinsichtlich des Mottos in Szene gesetzte Element kann dabei ein stilistisches Thema aufgreifen. Beispielsweise bringen Bonsai Disziplin und Glas oder Keramik Klarheit zum Ausdruck. Materiell dominieren Chrom, Natursteine oder auch Stahl in schlicht gehaltenen Ausführungen. Ein besonders wichtiges Gestaltungselement stellt Licht dar, denn Helligkeit und Minimalismus gehen Hand in Hand.

Höchste Maxime: Jedes Stück wirkt aus sich heraus

Der minimalistische Einrichtungsstil wird auch viel von Männern vorgezogen

Der minimalistische Einrichtungsstil wird auch viel von Männern vorgezogen

Die Umsetzung des minimalistischen Wohnstils ist zwar einfach, muss sich aber gleichermaßen konsequent durchziehen und stützt sich nicht selten auf eine sparsame Wahl sehr hochwertiger Produkte. In kleinen Räumen kommt er oft nicht wie gewünscht zur Geltung, da die Raumwirkung gerne ausbleibt. Bei gelungener Umsetzung kann Minimalismus jedoch jedes beliebige Zimmer wohnlicher und harmonischer wirken lassen. Glatte Flächen und strenge Formen werden durch teilweise ausgefallene und ungewöhnliche Highlights ergänzt. Funktionalität geht dem dekorativen Zweck vor und Farbe dient vorwiegend dem Setzen gezielter Effekte.

Ob nun als puristisch oder schlicht als "Modernes Wohnen" interpretiert: Zwei spezifische Einflüsse haben hier unverkennbar ihre Spuren hinterlassen. Die ursprünglich im 19. Jahrhundert entstandene Idee des Funktionalismus sowie das auf minimalistische Aspekte zurückgreifende Bauhaus. Um 1900 brachte der US-amerikanische Architekt Louis Sullivan das Prinzip funktionalistischen Designs auf den Punkt: "Form follows function." Seine Aussage basiert auf der Annahme, dass ein ausschließlich zweckmäßiges Gebäude von sich aus stets einen ästhetischen Wert hat und dafür durch nichts ergänzt werden muss. Nachdem der Funktionalismus später die Architektur der Nachkriegszeit geprägt hat, wurde das architektonische Prinzip durch Industriedesigner des 20. Jahrhunderts aufgegriffen.

Zahlreiche Entwürfe der 60er und 70er Jahre gelten mittlerweile als Klassiker und trumpfen sowohl bei Freunden des minimalistischen Interieurs als auch bei deren Vorbildern der Bauhaus-Werkstätten auf. Produktreihen, die diesem Konzept entsprechen, sind aufgrund der hohen Nachfrage heute aus den meisten Möbelhäusern und Online-Shops nicht mehr wegzudenken und haben ihre unverkennbaren Spuren in deutschen Wohnzimmern hinterlassen.

Typische Merkmale des Wohnstils

Wodurch genau zeichnet sich eine minimalistische Ausstattung nun üblicherweise aus? Charakteristische Elemente sind im Allgemeinen

  • kubische oder stark reduzierte Gebäudeformen
  • großzügige und lichtdurchflutete Räume
  • architektonische Merkmale
  • Dominanz der Farben Weiß und Grau
  • extreme ästhetische Reduktion
  • Glas, Stahl, Beton, und Naturstein als vorherrschende Baustoffe
  • große Flächen und klare Linien

Bei der Inneneinrichtung setzt man auf

  • einfarbige Wände
  • strenge Strukturen und glatte Flächen
  • ungemusterte Fußböden
  • Helligkeit und Licht zur Inszenierung des Raums
  • Fokussierung des Wesentlichen
  • sparsame, aber oft kostspielige Dekorationselemente
  • funktionaler Zweck
  • wenige Farben - hauptsächlich Weiß, Grau und Schwarz
  • strikter Verzicht auf überfüllte Regale
  • (Einbau-)Schränke als Stauraummöbel
  • unifarbene Highlights als Mittel für wohldurchdachte Akzente
  • moderne Skulpturen und eindrucksstarke Leuchten
  • großformatige Bilder
  • viel Kunststoff, Glas, Metall und Keramik
  • zurückhaltende Möblierung
  • strikte Ordnung und geometrische Formen

Frei von Durcheinander und Kabelsalat

Beim Minimalismus ist alles aufgeräumt

Beim Minimalismus ist alles aufgeräumt

Eine schöne Sitzecke mit einem Tisch, dazu ein edler Schrank mit dezentem Bord, auf dem ein bis zwei Blumenvasen ihren Platz finden und ohne weiteren Schmuck auskommen - mehr braucht ein ansprechendes Wohnzimmer im Grunde nicht. Wer offen, praktisch und geräumig in entspannter Atmosphäre verweilen möchte, sollte Möbel in neutralen Farben wählen, die einfach im Design und unbeladen mit Dekoartikeln und anderen Staubfängern sind. Nach Fransen, Spitzen oder Volants wird man in einer minimalistisch eingerichteten Wohnung lange suchen müssen.

Verzichten Sie auf Möbelstücke wie Hocker oder Beistelltische, die sie nicht wirklich im Raum und in Ihrem täglichen Leben benötigen. Wählen Sie stattdessen formschlichte runde oder rechteckige Sofas und Ledersessel. Der Fernseher kann platzsparend an der Wand befestigt werden und braucht so kein eigenes Regal oder gar eine Schrankwand. Gemäß dem Motto "Ausmisten für die Seele" wird Minimalismus oft nicht nur als Einrichtungsstil, sondern als Lebensphilosophie betrachtet. Trotzdem gilt, dass Materialmix und kleine Details die Atmosphäre vollenden können: Bei schlichten Kuben aus Holz, Acryl und Laminat oder niedrigen Metalltischen aus Glasplatten kann man wenig falsch machen. Ein kleiner, hochfloriger Teppich als Akzent ist völlig legitim und strahlt vor allem im Winter Wärme und Behaglichkeit aus.

Raumhohe Fenster, Einbau- sowie Pendelleuchten aus Messing oder Edelstahl sowie indirektes Licht schaffen magische Effekte. Schön schlicht wirken auch Türen in weißen Tönen. Auffällige und qualitative Einzelstücke platziert man am besten exponiert, sodass die restlichen Möbel in den Hintergrund rücken. Durch den zusätzlichen Verzicht auf unnötigen Schnickschnack erzielen Lampen, Zimmerpflanzen und Bilder als individuelle Hingucker eine komplett andere Wirkung.

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