Urban Gardening – Kleine Gartenwelten auf dem Balkon

Urban Gardening - Kleine Gartenwelten auf dem Balkon

In der Stadt leben und einen eigenen Garten haben: Um sich diese beiden Träume erfüllen zu können, brauchen Sie nicht unbedingt einen großen Geldbeutel. Mit Fantasie und ein wenig Hintergrundwissen können Sie auch einen schmalen oder schattigen Balkon zu einem Gärtchen umfunktionieren. Der Materialaufwand ist gering, der Lohn jedoch umso größer: Ab dem ersten Tag werden Sie an Ihrer kleinen grünen Welt Freude haben.

Was bedeutet Urban Gardening?

Der Begriff Urban Gardening kommt aus dem Englischen und heißt in der wörtlichen Übersetzung "städtisches Gärtnern". Zudem steht er für einen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet: Das Anlegen und Bewirtschaften von Klein-, Kleinst- und Gemeinschaftsgärten in Stadtgebieten. Gründe für Urban Gardening gibt es genug:
1. Persönliche Motive: Viele Stadtbewohner sehnen sich nach mehr Natur, wollen dafür aber nicht auf die Vorzüge des Citylebens verzichten.
2. Ideologische Motive: Wer etwas anpflanzt, leistet damit sofort einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt des Artenreichtums.
3. Praktische Motive: Balkonbeete, die frische Kräuter, Bio-Gemüse und Schnittblumen für die Vase liefern, bereichern Küche und Wohnkultur und schonen dabei die Haushaltskasse.

Auch Stadtkinder lieben Urban Gardening. Sie können Aussaat, Wachstum und Ernte miterleben und mitgestalten und sich bei der Arbeit nach Herzenslust die Hände schmutzig machen. Nebenbei lernen sie jede Menge: über das Zusammenspiel der Pflanzen und Tiere in ihrem Lebensraum, über das Wetter, den Wechsel der Jahreszeiten und nicht zuletzt über die Freude und die Auswirkungen des Schaffens mit den eigenen Händen. Eltern, die fürchten, dieses Wissen könnte der "Generation City" verlorengehen, können es auf diese Weise weitergeben - dazu kann schon ein Blumentopf ausreichen.

Der Einstieg ins Urban Gardening

Um in Ihrem Fensterbank- oder Balkongarten von Anfang an alles richtig zu machen, brauchen Sie einen Plan. Die wichtigsten Punkte finden Sie im Folgenden aufgelistet:
Gartenwerkzeug
- Standort: Wieviel Platz an der Sonne/im Halbschatten/im Schatten steht zur Verfügung? Wie können Sie ihn nutzen?
- Pflanzen: Was möchten Sie anbauen: Zierpflanzen, Nutzpflanzen oder beides? Welche Arten fühlen sich bei Ihnen wohl? Lassen Sie sich dazu ausführlich von einem Gärtner beraten.
- Gestaltungskonzept: ein duftender Hexen- und Bienengarten, ein pflegeleichtes Gemüsebeet, eine romantische Laube oder ein Hauch von Mittelmeer: Wie soll Ihr Gärtchen aussehen, wie soll es sich anfühlen?
- Material: Wie viel wollen Sie ausgeben? Wie lange soll es halten? Was können/wollen Sie selber machen?
- Anlage: Stehen Veränderungen an, die Sie mit dem Vermieter oder Nachbarn absprechen müssen? (Löcher bohren, Anbauten an Außenwänden, Bewässerung, Drainage etc.)
- Langfristige Planung: Wie viel Zeit möchten Sie investieren? Wer kann einspringen, wenn Sie einmal verhindert oder gerade im Urlaub sind?

Grüne Wände, Spalierobst und hängende Gärten

© FedeCandoniPhoto_Fotolia_66609954_XS
Beim Urban Gardening geht es immer darum, den vorhandenen Raum so gut wie möglich auszunutzen. Erfindungsreichtum und Nischendenken sind hier also besonders gefragt. Ist wenig Fläche vorhanden, bietet es sich an, in die Höhe zu bauen, etwa mit stapelbaren Pflanzgefäßen, Pflanzentreppen, Regalen und Gestellen aller Art. Sie können mit Dachlatten und Brettern kreativ werden, ausrangierte Naturholz- oder Metallmöbel (Stühle!) mit einbeziehen oder sich fertige Ampel-, Spalier- oder Stapelsysteme kaufen. In Bau- und Gartenmärkten finden Sie jede Menge Inspiration und praktische Lösungen für Ihr grünes Raumwunder, z. B. zur Anlage und Bewässerung vertikaler Beete oder zur fassadenschonenden Wandbegrünung.

Viele preisgünstige Alternativen zu den oft teuren großen oder speziellen Pflanzgefäßen finden Sie abseits der professionellen Gartenabteilungen. Denken Sie ruhig um die Ecke und lassen Sie Ihren Ideen freien Lauf: Auch in Baueimern, Mörtelkübeln, Dachrinnen, PVC-Rohren, alten Töpfen und Konservendosen können Pflanzen hervorragend gedeihen. Bohren Sie einfach gegebenenfalls ein paar Löcher in den Boden, um Staunässe zu verhindern.

Urban Gardening im Alltag

Natürlich können Sie auch ohne Planung einfach loslegen, ein paar Pflanzen setzen und abwarten, wie sich Ihr Projekt entwickelt. Dann sind anspruchslose, schnell wachsende Arten die erste Wahl. Hier sind ein paar Tipps für rasche und sichere Erfolgserlebnisse beim Urban Gardening - schon bald werden Sie diese Liste individuell weiterführen und ergänzen können.
Setzlinge
- Kaufen Sie Setzlinge statt Sämereien, wenn Sie wenig Zeit haben und gleich etwas wachsen sehen möchten. Sie können auch Bekannte um Ableger aller Art oder ein Stück ihres Rasens bitten und sich so schnell ein buntes Repertoire zusammenstellen.
- Basilikum aus dem Supermarkt hält sich meist nicht lange. Sogenanntes Strauchbasilikum hingegen entwickelt starke Stämmchen, ist ertragreich und kann in milden Wintern sogar draußen bleiben.
- Liebstöckel, Schnittlauch, Petersilie, Lavendel, Thymian, Rosmarin und Salbei verzeihen dem Gärtner vieles, solange sie genug Sonne haben; Kapuziner- und Brunnenkresse fühlen sich auch in schattigen Ecken wohl.
- Pfefferminze und Erdbeeren machen glücklich, wachsen wie Unkraut und verbreiten sich sehr schnell. Beide brauchen dazu weit weniger Sonne, als viele denken; außerdem gibt es mittlerweile eine enorme Sortenauswahl (Blütenfarbe, Erntezeit etc.) - sogar Erdbeerminze können Sie kaufen.
- Spannen Sie Vogelnetze oder Schnüre und lassen Sie Knöterich, Hopfen und blühende Winden daran emporklettern. Sie werden staunen, wie schnell sie wachsen.
- Wilder Wein wächst schneller als Efeu und hält sich am Verputz fest, ohne ihn zu beschädigen.
- Probieren Sie Gemüse in neuen Formen, etwa Strauchgurken, Kletterkürbisse, Minimelonen, Balkonpeperoni oder Spaliertomaten.

Beim Urban Gardening können Sie viel improvisieren und experimentieren. Wenn Sie merken, dass eine Pflanze bei Ihnen nicht gedeiht, werfen Sie sie nicht weg, sondern geben Sie Ihr einfach eine zweite Karrierechance - etwa im Park, auf einer Verkehrsinsel oder auf dem Balkon eines Freundes. So geht nichts verloren, und Sie können als guter Gärtner jeden Wandel mit einer neuen Freude verbinden.

Bildquelle1: © luzulee / Fotolia.com
Bildquelle2: © PhotoSG / Fotolia.com
Bildquelle3: © FedeCandoniPhoto / Fotolia.com
Bildquelle4: © stockcreations / Fotolia.com

Noch keine Kommentare bis jetzt.

Einen Kommentar schreiben